Meditation
- Christian Bauer
- 28. Feb.
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Auf einer Entdeckungsreise in die Tiefen meines Herzens

Was ist Meditation? Bedeutet Meditation, sich im Schneidersitz aufrecht hinzusetzen, die Augen zu schließen und ganz ruhig zu sein? Oder was passiert da eigentlich genau?
Diese Fragen gingen mir schon länger durch den Kopf.
„Was passiert, wenn dein Geist nicht mehr vorgibt,
wie das Leben zu sein hat?“
(Daniel Hertlein)
Erste Begegnung
Bereits einige Jahre bevor ich Daniel kennenlernte, rückte das Thema Meditation bei mir immer stärker in den Fokus. Mich faszinierten die Buddha-Statuen, die scheinbar einfach nur da saßen und solch eine Ruhe und stille Zufriedenheit ausstrahlten, eine Art friedliche Erhabenheit, ohne dabei kühl zu wirken – in sich versunken und dennoch offen und verbunden.
Ich besuchte unterschiedliche Seminare, übte nach Anleitungen aus Büchern und CDs oder einfach so, wie es sich für mich stimmig anfühlte.
Meine ersten Erfahrungen waren intensiv und teilweise beängstigend. Ich tauchte in Wahrnehmungsräume ein, die mir die gewohnte Kontrolle nahmen oder so ungewohnt waren, dass zeitweise wirklich Angst aufkam. Dennoch ließ mich die Faszination für Meditation nicht mehr los.
Mit der Zeit las ich auch vermehrt Bücher spiritueller Meister, die alle Meditation als zentralen Punkt ihrer Lehre sowie als einen entscheidenden Weg zur Selbstverwirklichung betonten.
„Die Lehre, die vom eigenen Herzen nicht bestätigt und gelebt wird, ist wertlos. Das Wichtigste trägst du in dir. Die Lehre lebt durch dich.“
(Daniel Hertlein)
Zum ersten Mal kam ich mit Daniel indirekt über ein CD-Cover in Kontakt, auf dem er mit geschlossenen Augen in der Lotushaltung saß. Dieses Bild vermittelte mir beim bloßen Betrachten tiefe Vertrautheit, Ruhe und Frieden – und ließ mich nicht mehr los.
Einige Wochen später bekam ich seine damals erste veröffentlichte Meditationsaufnahme „HIER UND JETZT IST GENUG“ von jemandem geschenkt und stand schließlich kurz darauf in einer von Daniels Yogastunden – die ganz in meiner Nähe stattfand.
Nach einigen Stunden zeigte er mir persönlich die Sitzhaltung für die Meditation: die Beine überkreuzt, das Becken leicht nach vorne gekippt, die Wirbelsäule aufrecht, das Brustbein etwas angehoben, die Schultern entspannt, der Scheitel nach oben und das Kinn sanft zur Wirbelsäule ausgerichtet. Die linke Hand lag in der rechten, die Daumen berührten sich leicht, die Augen waren entweder geschlossen oder halb geöffnet und der Blick leicht nach unten gerichtet – weit und offen.
In dieser stabilen Haltung konnte sich der Körper entspannen, die Wirbelsäule hielt ihn von innen und die Aufmerksamkeit folgte der Atmung. Die Übung war einfach: bei der Atmung bleiben. Der Geist wurde ruhig und klar. Dieser Moment hatte für mich einen absoluten Wow-Effekt: Leichtigkeit und Stabilität zugleich – fast schwebend und dennoch tief geerdet.
Mit zunehmender Übung wurde diese Haltung vertrauter. Der Körper erinnert sich und nimmt sie fast von selbst ein – der Geist macht Platz, Lebendigkeit wird spürbar. Ein wesentlicher Punkt in Daniels Praxis, den er immer wieder betont, ist genau diese Lebendigkeit: das Hinwenden vom Denken ins Fühlen, das unmittelbare innere Erleben und das möglichst präsente Hiersein – verbunden mit dem Leben, das jetzt gerade stattfindet.

Reine Präsenz
„Siehst du in einem Lehrer einen gewöhnlichen Menschen, dann bekommst du den Segen von einem gewöhnlichen Menschen – siehst du in ihm einen Buddha,
dann segnet dich ein Buddha.“
(Daniel Hertlein)
Einige Zeit später hatte ich ein kurzes Gespräch mit Daniel, das er während eines Retreats jedem Teilnehmer anbot. Den Erfahrungsbericht von damals möchte ich hier wiedergeben:
Da sitzt Buddha vor mir
Auf einem Retreat nahm ich Daniels Angebot an, ihn mit meinen Fragen im Rahmen des Unterrichts zu einem kurzen Einzelgespräch zu treffen. Als ich die Tür zu unserem Praxisraum öffnete, sah ich, wie Daniel bereits still und aufrecht in Meditation saß.
Ich traute mich kaum hinein. Jeder Schritt, den ich auf ihn zuging, kam mir enorm schwer vor, wie in einem magnetischen Feld – ein starkes Gefühl der Ehrfurcht ergriff meinen Körper, begleitet von: „Schön, dass ich da sein darf.“
Der ganze Raum war so erfüllt von einer höchst präsenten Atmosphäre, als würde diese Schwingung zu meinen Gedanken sprechen: „Leute, wenn ihr jetzt auftaucht, kann ich euch nicht versprechen, dass ihr hier lebend wieder rauskommt.“ (lachen)
Mein Kopf traute sich in keinster Weise nachzufragen, zu analysieren oder sich irgendwie logisch zu erklären, was hier gerade vor sich ging. Die Gedankenaktivität in meinem Inneren wagte es nicht hochzukommen. Sie wusste, dass es sie in dieser feurig-wachsamen Präsenz einfach wegblasen würde – dass sie hier keinerlei Bestand hatte.
Als ich dann vor Daniel stand, war ganz klar: „Da sitzt jetzt kein normaler Mensch vor mir – da sitzt ein Buddha.“ Es war überhaupt keine Frage. Und es tauchte der starke Impuls in mir auf: ich muss mich jetzt verbeugen. Ich kann nicht reden, ich muss mich einfach verbeugen.
Daniel öffnete die Augen, lud mich ein, Platz zu nehmen, und fragte: „Möchtest du etwas sagen?“ Ich war so mit Dankbarkeit erfüllt, da sein zu dürfen, dass ich gar nicht sprechen wollte … Ich hatte nur den Wunsch, einfach hier zu sitzen. Mehr brauchte ich nicht.
Während wir uns schweigend gegenüber saßen, wurde mir in jeder Faser meines Körpers klar, dass ich hier gerade reine Präsenz erlebte. Dass dies kein Wunschtraum mehr war. Es war pure, unmittelbar erlebte Realität – jetzt und hier. Im Außen scheinbar unspektakulär, natürlich und doch zutiefst durchdringend.
Tiefer eintauchen

Dieses für mich so durchdringende Präsenz-Erleben, getragen von tiefer Stille, beschäftigte mich nachhaltig. Ich stellte mir die Frage, wie ich es zu einem dauerhafteren Erleben machen konnte. Und mir wurde klar, was dem alles noch im Weg stand: wie sehr bestimmte Gewohnheiten und Sichtweisen, Leidenschaften, Emotionen, Hoffnungen, Sorgen und Ängste mich im Griff hatten und mein Handeln oder Nicht-Handeln bestimmten. Und wie herausfordernd es ist, im Alltag wach und im unmittelbaren Erleben zu bleiben, weil sich der Geist so schnell an allem Möglichen festhält.
Entweder reagierte ich automatisch oder ich unterdrückte, was in mir auftauchte. Ich mied Situationen und Menschen, die Wut, Traurigkeit, Schmerz oder Unsicherheit in mir auslösen konnten – und fand auch immer genügend Rechtfertigungen dafür. Mein Geist projizierte die Ursachen nach außen. Er wusste scheinbar genau, was andere ändern müssten – während ich selbst Mühe hatte, meine eigenen Gefühle wirklich zuzulassen, geschweige denn, sie zu benennen oder auszudrücken.
Innere Unruhe und körperliche Spannungen kompensierte ich lieber durch Essen, Trinken, viel Sport und andere Ablenkung, statt mich den inneren Herausforderungen zu stellen.
In der stillen Meditation konnte ich dem allen aber nicht mehr ausweichen und erkannte, wie Gedanken, Emotionen und Gefühle in mir aufstiegen, ohne dass ich sofort darauf reagieren oder sie unterdrücken musste. Der Abstand zwischen Impuls und Handlung wuchs und mit ihm auch eine neue Freiheit in meinem alltäglichen Leben – vor allem im Kontakt mit anderen Menschen.
Jetzt konnte ich wählen, auf was ich mich bezog, und einstieg. Ich lernte, Gefühlen zu begegnen, statt sie zu vermeiden, spielerischer mit vielen Situationen umzugehen, das Leben zu entdecken und die Lebendigkeit in meinem Inneren zu ergründen.
Innere Dynamik
Es folgten intensive Meditationen – sie wurden dynamisch, lebendig, bewegt. Blockaden wurden stärker fühlbar, Festsitzendes im Körper berührt, gelockert und aufgerüttelt. Vieles kam in Schwung, das zuvor unbemerkt brachlag.
Je mehr dabei hochkam, durchfühlt wurde und sich entladen konnte, desto häufiger gab es Phasen der Leichtigkeit und des Befreitseins, in denen das Leben einfach geschah. Kein Verstand, der sich einmischte, etwas nicht oder anders haben wollte.
Der Körper reagierte, entlud sich von Spannungen, nicht selten flossen Tränen der Erleichterung. Energie befreite sich. Gefühle konnten sich entfalten, durften da sein, fließen – sie fanden endlich einen Ausdruck. Neue Kraft und Lebensfreude wurden geweckt.
Diese neue, eher feurige Art passte nicht in mein gewohntes Bild von Meditation. Es war direkt, lebendig, intensiv. Je lebendiger es wurde, desto ruhiger wurden auch die Aktivitäten des Geistes, der zeitweise sogar ganz verschwand. Und ich fühlte mich im Nachhinein wie durchgespült und rein gewaschen. Wie eine Grundreinigung, um weiter und tiefer zu gehen.
„Das Leben fordert uns auf, die Dinge zu fühlen. All das, was ich nicht fühlen will, schafft eine Blockade und macht mich letzten Endes unglücklich – weil es mich vom Einswerden mit dem Leben abtrennt.“
(Daniel Hertlein)
Frei sein
Nach und nach wurde mir bewusst, wie sehr meine Haltung im Alltag meine Meditation beeinflusst – und meine Meditation wiederum mein Erleben des Alltags mitgestaltet.
In einem Satsang sprach Daniel über die Veränderung durch reines Sehen und die Kunst des Nicht-Anhaftens:
"In unserer Praxis löst du dich von Anhaftungen und erkennst, dass das Sehen selbst verändert. Du siehst dein Interesse an etwas. Und durch dein Sehen verlierst du das Interesse.
Wenn du zum Beispiel einen Kuchen willst, dann kauf dir einen Kuchen.
Du kannst aber auch den Kuchen in deinem Geist verschwinden lassen und einfach an dieser wunderbaren Konditorei vorbeigehen. Wenn dir das gelingt, dann weißt du: „Kuchen ist okay, aber kein Kuchen ist auch okay.“
Wenn jedoch beim Anblick der Konditorei der Impuls „Ooh, ich will einen Kuchen haben.“ dich gleich zum Handeln drängt … und du kurz darauf mit einem leckeren Kuchenstück aus der Konditorei herausspazierst, dann können wir nicht von Nicht-Anhaftung sprechen.
Das bedeutet: das reine Sehen nimmt dem Gedanken „Ich will einen Kuchen haben.“ seine Kraft.
So taucht der Gedanke einfach auf, darf da sein und wieder verschwinden. Du musst auf ihn keinen Bezug nehmen und ihn dadurch aufladen – und der Impuls, aktiv zu werden, bleibt entweder aus oder ist so schwach, dass er dich nicht mehr zum gewohnten Handeln zwingt.
Diese Veränderung durch reines Sehen hat nichts mit Disziplin zu tun, sondern mit Wachheit … mit Präsenz.
So kannst du spielerisch am Leben teilnehmen, aber auch jederzeit von allem loslassen. Du kannst einen Kuchen kaufen oder auch nicht.
Das ist deine Freiheit."
Heilsame Begleitung
Ich kam immer wieder mal an meine Grenzen in dem Bemühen, fleißig weiter zu praktizieren und alleine alles lösen zu können. Bis ich schließlich aufgab und innerlich die Hand ausstreckte – und um Hilfe und Unterstützung bat.
„Das Feine durchdringt das Grobe und löst es auf.“
(Daniel Hertlein)
Während des Unterrichts reagierte Daniel oft auf mein lautloses Rufen, stand kurz darauf in meiner Nähe, berührte mich oder sprach leise Worte, die mir Geborgenheit schenkten und mein Inneres bewegten. Manchmal stand er mit geschlossenen Augen still da, die Hände leicht nach oben geöffnet, und bat die geistige Welt um lichtvolle Unterstützung.
Kurz darauf veränderte sich die Schwingung im Raum und Gefühle in mir begannen zu fließen. Durch zarte, durchdringende Energien lösten sich festsitzende Strukturen in meinem Inneren. Getragen von tiefem Frieden erschien alles lichtvoll und fein.
Mein Herz öffnete sich ganz natürlich. Erleichterung und Liebe breiteten sich aus. Der Verstand war still – einfach nicht da. Was sich innerlich erhob und entfaltete, war himmlisch vertraut.
Diese Erfahrungen sind für mich Gnadengeschenke.
Von nun an bekamen die Meditationen einen neuen Charakter: Es folgten Jahre, in denen die Heilarbeit im Vordergrund stand. Je mehr dabei in mir geheilt, befreit und erlöst werden konnte, desto erfüllter und lichtvoller wurden die Meditationen. Und es gelang mir auch, länger und tiefer zu meditieren, leichter präsent zu sein … und zu bleiben.
„Wir sind zeitlose Seelen, die für kurze Zeit einen Körper bewohnen, um an einem Aufstiegsprozess hier auf der Erde teilzunehmen.“
(Daniel Hertlein)

Ein Geschenk
Heute sehe ich Meditation als ein großes Geschenk. Für mich ist sie vor allem eine innere Haltung – eine Art, im Leben zu sein.
Sie hilft mir, den Herausforderungen des Lebens gleichmütiger zu begegnen – in dem Wissen, dass nichts endgültig ist. Sie unterstützt mich dabei, mein Herz immer weiter zu öffnen und spielerischer, freudiger und bewusster am Leben teilzunehmen.
Sie lässt mich meine Seele erfahren und erleben, wie sie sich innerlich erhebt, entfaltet und voller Achtung und Mitgefühl alles Leben umarmt.
Sie ist eine wunderbare Einladung, für das unmittelbare Erleben empfänglich zu sein – klar und präsent im Hier und Jetzt.

„Vollständig still wird der Geist erst dann, wenn er in der göttlichen Liebe ruht.
Und das ist die tiefste Meditation.“
(Daniel Hertlein)























